Eine warme Februarwoche in Ägypten
Eine warme Februarwoche in Ägypten
Willkommen zu unserem aktuellen Wochenbericht vom Roten Meer! Jede Woche nehmen wir euch hier mit in die faszinierende Unterwasserwelt Ägyptens, berichten von spannenden Tauchgängen, stellen unseren Fisch der Woche vor und werfen einen Blick auf aktuelle Entwicklungen aus dem Land der Pharaonen. Außerdem gibt es immer wieder nützliche Tipps und Empfehlungen für alle, die ihren Urlaub in Ägypten noch entspannter und erlebnisreicher gestalten möchten. Viel Spaß beim Lesen und Abtauchen! Eine warme Februarwoche in Ägypten:
Man kann den Frühling schon erahnen
Wir konnten die vergangene Woche hier am Roten Meer so richtig genießen. Wenn man es nicht besser wüsste, würde man kaum glauben, dass erst Februar ist. Die Tagestemperaturen bewegen sich konstant um die 28°C und Wind war kaum vorhanden. Nur das 23°C kühle Wasser erinnert daran, dass der Winter doch noch nicht vorbei ist. Sicher wird es auch hier bestimmt wieder etwas kühler, doch wir nehmen es, wie es kommt und genießen einfach jede Sekunde über und unter Wasser.
Den vergangenen Samstag verbrachten wir bei herrlichstem Sonnenschein im Norden. Wir genossen das Morgenlicht in Shaab Pinky und freuten uns über zahlreiche Adlerrochen und einen großen Napoleon. Zum zweiten Tauchgang ging es dann weiter ans Carless Reef. Für viele eh schon der schönste Tauchplatz im Tauchgebiet von Hurghada, kann man hier seine Tauchgänge in der ruhigen Zeit noch viel mehr genießen.
Am Sonntag kamen die Wrackfans voll auf ihre Kosten. Morgens machten wir einen Tauchgang an der El Minja und statteten dem Wrack der Mohamed Hassabella ebenfalls einen Besuch ab. Der alte Fischtrawler, der auf etwas über 30 m liegt, ist genauso sehenswert wie das alte Militärschiff gleich nebenan. Nach einem Abstecher nach Fanadir folgte dann zum Abschluss die kleine Balena.
Magische Minuten unter Wasser durften unsere Tauchgäste zum Wochenbeginn erleben. Das geht kaum besser als am Abu Ramada Plateau. Bei Strömung etwas tricky, ist das Plateau ohne Strömung ein fisch- und korallenreicher Platz zum Genießen. Ein ganz besonderes Erlebnis wartete am Dienstag auf uns. Am Morgen war es ungewöhnlich neblig und man sah die Hand vor Augen kaum. Im Laufe des Vormittags verzog sich der Nebel und machte sonnigen Tauchgängen Platz. Mit bunten und flachen Tauchgängen an Magawish und rund um Giftun ging auch diese entspannte Woche zu Ende. Wir freuen uns auf die nächste!
Unser Meerestier der Woche: Der Echte Steinfisch
Wer im Roten Meer taucht, konzentriert sich meist auf bunte Korallen und Fische im klaren Wasser mit fantastischer Sicht. Und dann liegt da plötzlich etwas, das aussieht wie ein ganz normaler Stein – nur dass dieser „Stein” Augen hat. Das ist sehr wahrscheinlich ein Synanceia verrucosa, ein Echter Steinfisch. Er gehört zu den am besten getarnten Fischen überhaupt. Mit seiner unregelmäßigen, warzigen Haut und seinen an die Umgebung angepassten Farbtönen verschmilzt er fast komplett mit dem Untergrund. Zwischen Korallenblöcken oder auf sandigen Flächen ist er kaum zu erkennen. Genau das ist sein Konzept: Er bewegt sich wenig und wartet einfach ab. Kommt ein Fisch oder ein Krebs nah genug vorbei, schnappt er blitzschnell zu.
Auch seine Fortpflanzung läuft eher unspektakulär ab: Steinfische geben ihre Eier ins freie Wasser ab, wo sie befruchtet werden und als Larven eine Zeit lang im Plankton treiben. Erst später sinken die Jungtiere zum Boden und beginnen ebenfalls dieses gut getarnte Leben zwischen Sand und Steinen.
Im Roten Meer ist der Steinfisch kein seltener Bewohner flacher Riffbereiche. Für uns Taucherinnen und Taucher ist er vor allem ein gutes Beispiel dafür, warum Tarierung und Aufmerksamkeit so wichtig sind. Der Fisch ist nicht aggressiv und hat kein Interesse an Menschen. Problematisch wird es nur, wenn man ihn übersieht und versehentlich berührt oder auf ihn tritt. Auf seinem Rücken sitzen kräftige Stacheln mit Giftdrüsen, die bei Druck ein starkes Gift abgeben können. Ein Stich ist extrem schmerzhaft und sollte sofort medizinisch behandelt werden.
Mit etwas Abstand betrachtet ist er jedoch einfach ein spannender Teil des Ökosystems. Seine Tarnung ist so überzeugend, dass man ihn oft erst erkennt, wenn ein Guide mit der Lampe ganz gezielt auf „diesen einen Stein” zeigt. Viele Taucher erleben genau so ihren ersten Steinfisch, einfach als kleine Überraschung am Riff.
Riesige Phantomqualle vor Argentinien gefilmt
Vor der Atlantikküste Argentiniens haben Forscher während einer wissenschaftlichen Tiefsee-Expedition ein atemberaubendes Phänomen festgehalten: eine gigantische Phantomqualle (Stygiomedusa gigantea), die in etwa 250 Metern Tiefe gefilmt wurde. Die Bilder, die mit einem ferngesteuerten Unterwasserfahrzeug aufgenommen wurden, zeigen ein Wesen, dessen Größe Forscher mit der eines Schulbusses vergleichen – ein seltener Anblick selbst für Meeresbiologen.
Die Phantomqualle gehört zu den größten bekannten Quallenarten der Welt. Ihr Schirm kann mehr als einen Meter im Durchmesser erreichen, die langen, bandartigen Mundarme können bis zu zehn Meter lang werden. Anders als die meisten Quallen besitzt Stygiomedusa gigantea keine klassischen Nesselzellen, sondern fängt Beute wie Plankton und kleine Fische mit diesen Armen ein.
Die Entdeckung gelang im Rahmen einer Fahrt des Forschungsschiffes „Falkor” des Schmidt Ocean Institute entlang der argentinischen Küste. Neben der gesichteten Qualle dokumentierte das Team in der Tiefsee auch weitläufige Korallenriffe, etliche neue Arten von Meeresbewohnern wie Schnecken, Würmer und Seeanemonen sowie leider auch Meeresmüll, darunter sogar eine nahezu unversehrte VHS-Kassette mit koreanischer Beschriftung.
Solche Expeditionen zeigen, wie wenig wir über die Welt unter der Meeresoberfläche wissen. Obwohl die Phantomqualle selbst bereits seit über einem Jahrhundert wissenschaftlich bekannt ist, wurde sie bisher nur sehr selten in ihrem natürlichen Lebensraum beobachtet – oft, weil sie in der sogenannten „Mitternachtszone” lebt, einer Region in hunderten bis tausenden Metern Tiefe, die von permanentem Dunkel geprägt ist.
Für die Wissenschaft bedeutet jede neue Begegnung mit solchen Kreaturen eine Chance, ein besseres Verständnis der komplexen Ökosysteme der Tiefsee zu gewinnen. Die bei der Expedition gesammelten Proben und Beobachtungen sollen dabei helfen, diese Lebensräume genauer zu erforschen und zu erfassen, wie empfindlich sie auf Umweltveränderungen reagieren. Solche Entdeckungen erinnern uns daran, dass die Tiefsee kein leerer Raum ist, sondern ein lebendiger, weitgehend unerforschter Teil unseres Planeten voller seltsamer und oft überraschender Kreaturen.
Ältester bekannter Drillbohrer der Welt entdeckt
Vor wenigen Tagen rückte ein kleines, unscheinbares Objekt aus einem Museum in den Fokus der Forschung und verriet Erstaunliches über die frühen Technologieleistungen im alten Ägypten. In den 1920er Jahren wurde auf einem prädynastischen Friedhof in Badari in Oberägypten ein kurzes kupfernes Werkzeug gefunden, das über Jahrzehnte als einfache Ahle im Archiv lag. Erst jetzt zeigte eine erneute Untersuchung, dass dieses Objekt kein gewöhnliches Werkzeug war, sondern der älteste bekannte metallene Rotationsbohrer aus Ägypten. Sein Alter wird auf rund 5300 Jahre datiert, womit er aus dem späten vierten Jahrtausend v. Chr. stammt, lange vor der Herrschaft der ersten Pharaonen.
Das nur etwa sechs Zentimeter lange und rund 1,5 Gramm leichte Metallstück wurde mithilfe moderner Analyseverfahren erneut untersucht. Unter dem Mikroskop zeigten sich deutliche Abnutzungsspuren, die eindeutig auf eine rotierende Nutzung hinweisen. Feine parallele Linien an der Spitze, abgerundete Kanten sowie eine leichte Biegung nahe dem Arbeitsende lassen sich durch wiederholtes Drehen gegen hartes Material erklären und nicht durch einfaches Stechen oder Drücken.
Besonders aufschlussreich sind kleine, spiralförmig erhaltene Lederreste, die noch am Schaft des Werkzeugs haften. Forschende deuten sie als Überbleibsel eines Bogendrill-Systems. Dabei wird eine Schnur um den Bohrschaft gewickelt und mit einem Bogen vor- und zurückbewegt, wodurch sich der Bohrer schnell dreht. Diese Technik ist aus späteren Epochen des Alten Ägypten durch Grabmalereien gut belegt, physische Werkzeuge aus so früher Zeit sind jedoch äußerst selten.
Der Bohrer stammt aus Grab 3932, der Bestattung eines erwachsenen Mannes. Die übrigen Funde aus dem Friedhof belegen eine hochentwickelte Herstellung von Perlen, Steingefäßen und Holzobjekten, für die präzises Bohren notwendig war. Ein rotierendes Werkzeug hätte dabei deutlich mehr Kontrolle und Effizienz ermöglicht. Der etwa 5.300 Jahre alte Bogendrill zeigt, dass prädynastische Gemeinschaften bereits über erstaunlich fortgeschrittenes technisches Wissen verfügten und welches Potenzial in alten Sammlungen schlummert.
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Schon gewusst? Ägypten ist eines der weltweit trockensten Länder und trotzdem leben dort über 100 Millionen Menschen. Möglich macht das vor allem der Nil, der als Lebensader des Landes gilt. Der Nil fließt über mehr als 6600 Kilometer von Ostafrika bis ins Mittelmeer: Seine Quellflüsse liegen unter anderem im Gebiet des Viktoriasees und im äthiopischen Hochland, bevor er durch den Sudan und schließlich durch Ägypten zieht und im Nildelta ins Mittelmeer mündet.
Fast die gesamte Bevölkerung Ägyptens wohnt direkt entlang seiner Ufer: Rund 95 % der Ägypterinnen und Ägypter leben auf nur etwa 5 % der Landesfläche, nämlich im fruchtbaren Niltal und im Nildelta. Der Rest des Landes besteht größtenteils aus Wüste. Bis heute ist der Nil entscheidend für Landwirtschaft, Trinkwasserversorgung und den Alltag im Land. Ohne ihn wäre Ägypten, wie wir es kennen, kaum bewohnbar.
Eine warme Februarwoche in Ägypten
Wir hoffen, euch hat unser Wochenbericht gefallen. Bleibt neugierig, passt auf euch auf und bis zum nächsten Mal, mit neuen Eindrücken aus dem Land zwischen Wüste und Wasser!
Eine warme Februarwoche in Ägypten, James & Mac Diving Center – Fotonachweise: James & Mac,